Sie sind reif für die Insel – St. Galler Tagblatt

ROMANSHORN – Die Familie Grundlehner ist vor über einem Jahr in Lübeck mit ihrem Segelschiff auf unbestimmte Zeit in See gestochen. Mittlerweile sind die drei auf Lanzarote sesshaft geworden – zumindest vorübergehend.

 

Im August 2017 verbrachten wir zwei Wochen in der Schweiz.

Markus Schoch vom St. Galler Tagblatt hat uns zu unserem aktuellen Leben interviewt. 

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Sie hatten einen grossen Traum, und den haben sie sich erfüllt. Christian und Jessica Grundlehner sind mit ihrer damals zweijährigen Tochter Amyra im Frühsommer des letzten Jahres in Deutschland an der Ostsee zu neuen Ufern aufgebrochen. Das Ehepaar verkaufte alle seine Habseligkeiten und machte sich damit frei für ein neues Leben auf dem Wasser an Bord ihrer 10-Meter-Yacht Laya.

Den Entscheid hat das Ehepaar keine Sekunde bereut. Auch wenn es nicht immer einfach war. «Der Alltag an Bord ist kein Zuckerschlecken.» Nicht nur die mehrtägigen Überfahrten könnten einem mental und körperlich an die Grenzen bringen», sagt Christian Grundlehner. Es gibt immer etwas zu reparieren oder umzubauen. Ersatzteile zu finden, könne zeitaufwendig und teuer werden. Und für den Wocheneinkauf seien sie oft zwei Tage unterwegs gewesen. Zum Glück habe es ihnen auf dem Schiff an nichts gefehlt. «Es ist sehr gut ausgerüstet», sagt Christian Grundlehner. Sie seien darum beneidet worden. «Wir hatten zwar meist das kleinste Boot im Vergleich mit anderen, die wie wir unterwegs waren. Doch wir verfügten über den grössten Luxus.» Sie könnten beispielsweise selber Meerwasser aufbereiten.

Zeit haben und sich selber besser kennen lernen

Die Reise mit dem Schiff sei vor allem auch eine Reise zu sich selber gewesen, sagt Jessica Grundlehner. «Unser Ziel war, Zeit zu haben und herauszufinden, was wir wollen und was nicht.» Dabei ist den beiden bereits im Winter klar geworden: Sie möchten zumindest für den Moment wieder an Land gehen, um dort die Weichen für die Zukunft zu stellen, was auf ihrem schwimmenden Zuhause mit einer Kabine nicht möglich ist. «Das Abenteuer mit der ‹Laya› war eine wunderbare Erfahrung mit vielen unvergesslichen Erlebnissen und Begegnungen. Doch wir haben uns damals entschieden, unserem Leben eine neue Wendung zu geben», sagt Christian Grundlehner. Nicht zuletzt auch mit Blick auf die Ersparnisse.

Begonnen hatte es damit, nicht Kurs in die Karibik zu nehmen, sondern die kanarischen Inseln anzusteuern und dort ein Jahr zu bleiben. «Es war, als hätten wir die Tür in eine neue Welt geöffnet», erinnert sich Jessica Grundlehner. «Der Kopf war plötzlich frei, und die Idee sprudelten auf der Überfahrt von Lissabon nach Lanzarote nur so. Wir konnten kaum schlafen.»

In der Hauptstadt Arrecife hat die Familie mittlerweile ein Doppelhaus bezogen. Erfreut dar­über ist auch Tochter Amyra, die sich zuletzt auf dem Schiff langweilte, auf dem die Familie drei Monate im Hafen lebte. Die Dreijährige ist wieder glücklich. In einer Montessori-Kindertagesstätte hat sie Freunde gefunden. Im Herbst besucht sie die Vorschule. Ihre Eltern fühlen sich auf der Insel mindestens ebenso wohl. Mit neuen Zielen vor Augen und mehr Platz, der nötig ist, um sie erreichen zu können. «Wir wollen uns beruflich eine Existenz aufbauen, die nicht an einen Ort gebunden ist und uns alle Freiheiten ohne Chef lässt», sagt Jessica Grundlehner.

Beide schreiben ein Buch

Eines der neuen Projekte sind zwei Bücher, die das Ehepaar zu schreiben begonnen hat: In demjenigen von Christian Grundlehner geht es um die Work-Life-Balance – also das (gesunde) Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben. Jessica Grundlehner arbeitet an einem Beziehungsratgeber. «Ich will meine Erfahrungen mit anderen Müttern teilen und sie dazu ermuntern , auf sich selber zu hören.» Zudem möchte sie vegane Produkte vertreiben und sucht Partner.

Geld verdienen die beiden aber im Moment noch mit anderem: Christian Grundlehner ist in seinem angestammten Beruf als Freelancer im Bereich IT tätig, seine Frau kümmert sich um die Vermietung der «Laya», die man über Airbnb mieten kann. Das ist jedoch nur eine Zwischenlösung. Das Ehepaar will das Schiff in den nächsten Monaten verkaufen. «Wir hatten eine gute Zeit darauf und können es darum gut loslassen», sagt Jessica Grundlehner. Für ihre Familie wäre es auch zu klein, selbst wenn sie später einmal wieder den Anker lichten sollten.

Ausgeschlossen ist das nicht. «Es ist offen, wie es weitergeht», sagt Christian Grundlehner. Grenzen wollen sich die beiden keine setzen. «Wir brauchen Abwechslung, sonst wird es uns langweilig.» Das Ehepaar hat gelernt: Wer positiv denkt und sich seine Wünsche ständig vor Augen führt, kann fast alles erreichen. Und eine zweite Einsicht, die es gewonnen hat: Es gibt für fast ­jedes Problem ein Lösung.

(Markus Schoch, St. Galler Tagblatt, 09.08.2017)

Jessica

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Capitana @ SY Laya, Mommy, Labortussi, Funkerin, responsible for all medical questions
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