Wir haben den Absprung geschafft.

Phu, es ist so viel passiert.

Was meine kleine Familie und ich die letzten Tage und auch Wochen geleistet haben, ist fast undenkbar. Es ist mir immer noch ein Rätsel, wie wir das alles geschafft haben.

Das Wichtigste für uns und unsere mentale Stärke: Wir haben den Absprung von Lübeck gewagt und unseren ersten Schlag erfolgreich beendet.

Ein kurzer Rückblick: Gestern war Tag X für Leinen los. Von Lübeck über die Trave nach Travemünde legte sich unser Motor auf halber Strecke schlafen. Totalausfall. Mein erster Gedanke, mit der Kraftstoffzufuhr ist etwas nicht ganz, wie es sein sollte. Das Begleitboot MS Frieda konnte uns dann längsseits nehmen und zurück nach Lübeck bringen. Lieber Hartmut (Kapitän der MS Frieda), wir sind dir von Herzen dankbar, dass du uns sicher und mit ruhiger Hand zurück in die Nord-Ost-Marina Lübeck zurückgeschleppt hast.

Es bestätigte sich, der Saft ging aus.  Auf der Laya wurde das Tanksystem neu organisiert welches mit Zulauf und Rücklauf von zwei Tanks ein komplexes System mit vielen Hebeln bildet. Heute Morgen wurden mit dem Fachmann alle Leitungen und Motor entlüftet und alle möglichen Wege beschriftet. Es brummt wieder unter der Motorraumabdeckung.

Zu unser aller Überraschung standen gestern Vormittag plötzlich, wie aus dem Nichts unsere Eltern an der Hafenmauer. Meine Eltern sind mit ihrer MS De Swel (swel.ch) unterweges von Holland nach Deutschland und Christians reisten aus der Schweiz an. Wir realisierten es anfänglich gar nicht. Ich hörte die Stimmen und dachte es ist Einbildung und schob es dem Schlafmangel und Stress in die Schuhe. Doch so völlig verpeilt war ich dann anscheinend doch nicht, sie standen einfach da, in echt! Amyra verstand die ersten zehn Minuten gar nichts mehr. Hat die Mama nicht erzählt, ich sehe meine Grosseltern und Grands-Parents vielleicht erst in einem Jahr oder länger wieder? Die Lütte hat jetzt bestimmt ein falsches Zeitbild. Herzlichen Dank an euch Viere für eure Reise zu uns und dass wir nochmals mit einer Umarmung mehr starten konnten.

Der heutige Törn führte uns nun direkt von der Teerhofinsel in Lübeck nach Neustadt in den Stadthafen.

Was soll ich sagen: Familie Grundlehner das erste mal auf hoher See! Die Handgriffe noch etwas unbeholfen und harzig. Willkommen Ostsee und grüsst das Meer.

Bilanz nach dem ersten Schlag (Welle 1-1.5m, Wind max. 19.8 Knoten): minus eine WLAN-Antenne (Hm, diese Outdoor-Installation, hat wohl den knapp 20 Knoten nicht standgehalten), minus eine Segellatte (Selbstverschuldet durch ewiges Herumgezerre am Gross und flattern lassen). Plus reichlich neue Erfahrung und Neues dazugelernt. Letztendlich konnten wir in der zweiten Hälfte auf dem Meer doch noch das Segeln geniessen und die erste kleine Sekunde von “meer leben” hat sich eingestellt. Eigentlich fühlt es sich für mich jedoch noch an wie Urlaub. Amyra hatte bei der Ausfahrt Travemünde klar ihre Angst geäussert. Situation: Laya bekam Wind und Welle voll auf die Nase. Ich habe meinem Töchterchen alles erklärt und gesagt, sobald wir segeln verhält sich das Schiff ruhiger. Die Genua stand und wir nahmen Kurs, da sang und plapperte sie fröhlich. Heute konnte ich mich noch nicht ewig unter Deck aufhalten, da bin ich schon froh, wenn mir wieder die Seebeine gewachsen sind. Im Zielhafen liessen wir alles Geschehene nochmals Revue passieren und besprachen die dringlichsten Arbeiten bis zum nächsten Auslaufen. Da gibt es noch einiges zu verbessern.

Wir hatten nach unserem obligaten Anleger-Kuss ein Gespräch mit einem herzlichen segelnden Rentner-Ehepaar, welches mir Motivation, Zuspruch und Ruhe schenkte, obwohl wir sie erst fünf Minuten kannten. Die Zwei Sprachen mir direkt aus der Seele. Solche Worte sind nach diesem etwas ruppigen Start besonders aufbauend.

Amyra hat nach dem Anlegen in Neustadt den Schalter umgelegt. Wo ist mein quengelndes, anstrengendes und oft schwer zu verstehendes Kleinkind der letzten Wochen abgeblieben? Ihr Verhalten hat mich die vorherigen Tage manchmal echt verzweifeln lassen. In dem ganzen Trubel der konnte ich ihre Bedürfnisse nicht mehr richtig deuten oder ihnen viel zu wenig nachkommen. Als die Leinen festgemacht waren, sassen wir auf der Badeplattform am Heck und strampelten mit den Füssen, beobachteten verschiedene Enten, sahen den Quallen beim schwimmen zu und versuchten mit dem Netzchen ein Fisch zu fangen. Nach dem Abendbrot spielte sie lange alleine mit ihren geliebten SchumSchums (Autos) und liess sich dann total entspannt in Bett bringen. Meine Kleine ist wieder da. Sogar der erste Drei-Wort-Satz sprach sie: Mami säge tutut!

Dieses kleine Resümee musste ich unbedingt auf die Tastatur hauen!

 

Jessica

Jessica

Capitana @ SY Laya, Mommy, Labortussi, Funkerin, responsible for all medical questions
Jessica

5 thoughts on “Wir haben den Absprung geschafft.

  1. Juhuuuuiiii :) Hoffe das wegen der Treibstoffzufuhr war nicht mein Bock – hatte den Hebel wirklich umgelegt! Von zurück-legen hat niemand etwas gesagt ;)
    Gruess und Kuss
    Bro plani

    1. Hey Schwieger-Bro
      Definitiv nicht dein Bock. Die Hähne mit Zufuhr/Rückfuhr lagen auf der anderen Bordseite des Schiffes in einer Backskiste. ;-)
      Es gibt eh keinen Schuldigen. Wichtig ist, daraus lernen. Das haben wir definitiv. Naja, jetzt ist es alles “dubelisicher” angeschrieben.
      Vielen lieben Dank für deine Unterstützung an der SY Laya.
      Knutsch

  2. Suuuper! Das freut mich, dass ihr nun den erfolgreichen Absprung geschafft habt! Herzlichen Glückwunsch und für die Weiterfahrt alles, alles Gute! Und dann sehen wir uns hoffentlich in Hamburg wieder – bis dahin euch erst einmal eine tolle Zeit! Liebe Grüße, Simone & Thorsten.

    1. Ihr wart ja auch ein Zahnrädchen in unserer Maschinerie, um den Start überhaupt zu ermöglichen. Danke für eure Unterstützung. Ihr seit in kürzester Zeit zu Freunden geworden. Auf Hamburg freuen wir uns jetzt noch mehr!

  3. Schön zu lesen, dass ihr unterwegs seid und das mit der tollsten Überraschung überhaupt – seine Eltern sehen zu dürfen. Passt auf euch auf!

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